Was eine PST-Datei wirklich ist
Eine .pst ist kein Dokument, sondern eine kleine Datenbank: ein Dateikopf, zwei B-Bäume — der Knoten- und der Blockbaum — und ein Heap über den Blöcken, in dem jeder Ordner und jede Nachricht ihre MAPI-Eigenschaften ablegen. Üblicherweise liest man sie mit Outlook, und ohne Outlook lässt sich mit der Datei meist gar nichts anfangen.
Was gelesen wird
Zuerst der Dateikopf: die Signatur !BDN, ob es sich um eine PST- oder eine OST-Datei handelt, ob das ANSI- oder das Unicode-Layout verwendet wird, welche Blockkodierung zum Einsatz kommt, welche Größe der Kopf angibt gegenüber der tatsächlichen, und die beiden Wurzelverweise auf die B-Bäume.
Dann beide B-Bäume vollständig und mit Prüfung auf Seitenebene, anschließend der Heap-on-Node und die darin liegenden Eigenschaftskontexte. Genau dort stehen Ordnernamen, Nachrichten- und Ungelesen-Zähler, Containerklassen, Betreffzeilen, Absender, Empfänger in der Anzeigeform, Datumsangaben, Größen und Nachrichtenklassen — Ordnerbaum und Index hier sind also aus der Datei gelesen und nicht geraten. NDB_CRYPT_PERMUTE-Blöcke werden dekodiert, und Werte, die sich über mehrere Blöcke erstrecken, werden über ihre Daten- und Unterknotenbäume wieder zusammengesetzt.
Was nicht gelesen wird
Die Nutzdaten von Anhängen, die Empfängertabellen und die Tabellenkontexte hinter der Inhaltsansicht eines Ordners. Der Nachrichtentext erscheint nur, wenn er als Eigenschaft am Nachrichtenknoten selbst gespeichert wurde — bei kurzen Nachrichten üblich, bei langen nicht. Ist das nicht der Fall, sagt das Werkzeug es, statt ein leeres Feld zu zeigen.
Zwei Layouts werden erkannt und gemeldet statt geraten: die 4-KB-Seitengeometrie, die Outlook 2013 für OST-Dateien eingeführt hat und die außerhalb der veröffentlichten MS-PST-Spezifikation liegt, sowie NDB_CRYPT_CYCLIC, dessen Substitutionstabellen nie veröffentlicht wurden. In beiden Fällen erhalten Sie trotzdem den vollständigen Dateikopf und einen Hinweis, warum der Rest fehlt.
Zu PST-„Kennwörtern"
Das Kennwort einer PST-Datei ist eine Eigenschaft in der Datei selbst. Es ist kein Schlüssel und verschlüsselt nichts. Ein kennwortgeschütztes PST wird hier genauso gelesen wie jedes andere, und es wird nichts geknackt oder umgangen — Outlook entscheidet sich lediglich dafür, ein Kennzeichen zu beachten, das jeder Leser ignorieren darf.
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